für alle, die das auch mal machen wollen... [fragen zum jakobsweg]


da ist sie wieder... durch facebook und instagram weiß gefühlt jeder, dass ich da war. auf dem jakobsweg. und am ende der welt. dass ich es geschafft habe.

"das will ich auch mal machen", war überraschenderweise die reaktion von vielen. egal ob mann, frau, jung oder alt. jeder war interessiert und hatte fragen. im gegensatz zu einer weltreise, ist der jakobsweg (camino) schließlich auch ein erfüllbarer wunsch. die meistgestellten fragen würde ich gerne hier mal für die sicherheit beantworten...


zunächst einmal war ich nicht am "anderen ende der welt", sondern am "ende der welt". damals, als das mit dem pilgern anfing, dachte man nämlich, dass die erde eine scheibe ist. und das örtchen finisterre mit dem dazugehörigen kap, hat seinen namen von der lateinischen ableitung "finis terrae" (=ende der erde). das eigentliche ende des jakobsweges ist in santiago de compostela. auf dem großen platz vor der kathedrale fällt man sich dann in die arme und haut sich gegenseitig überglücklich auf den verschwitzten rücken. (meinen beitrag von damals könnt ihr gerne hier noch einmal nachlesen) manche pilger sind seit mehreren wochen unterwegs und haben mehrere hundert kilometer hinter sich gebracht. die 90km nach finisterre legen die meisten zurück, um ihren weg zu beenden. paul aus kanada erzählte ich, dass ich schon einmal auf dem camino war und nun nur noch bis an das ende der welt möchte. "so you´re finishing!?", sagte er daraufhin mit einem fragenden tonfall. ja, ich beende etwas...


warst du alleine unterwegs oder in einer gruppe? ich war alleine unterwegs, aber es gibt ja noch andere pilger... nachmittags war der camino wie leer gefegt. gefühlt waren alle anderen entweder schneller als ich, oder hatten schon am nachmittag eine bleibe gefunden. man muss dazu sagen, dass jakobsweg nicht zu vergleichen ist mit cluburlaub, wo man vielleicht den großteil der menschen nicht sympathisch findet. hier hat jeder schließlich das gleiche ziel, man hat sofort ein thema über das man sich unterhalten kann. und wenn man möchte, kann man schnell eine gruppe finden, der man sich anschließt. es ist egal, wie du aussiehst oder woher du kommst. jeder wird gleich behandelt. und obwohl jeden tag so viele menschen den weg gehen, ist er nicht ansatzweise so vermüllt wie die natur hier. man passt aufeinander auf, auf umwelt und mitmenschen. und das passiert im echten leben einfach viel zu selten...


wie hast du den weg gefunden? der weg ist mehr als gut ausgeschildert. gelbe pfeile zeigen immer in die richtige richtung, die pfosten mit den muscheln zeigen an, wie weit es noch ist. nur einmal bin ich vom weg abgekommen, da ich panische angst vor (bellenden) hunden habe. sie sind an einem zaun hochgesprungen, sodass ich in einen pfad in den wald abbiegen musste. während ich über eine viertel stunde im "nichts" unterwegs war, ärgerte ich mich über mich selber und folgte dem weg... bis ich an eine kreuzung kam, wo es wieder einen gelben pfeil gab. nebenbei hatte ich auch ein paar pilger überholt. :)


wo hast du geschlafen? die erste und die letzte nacht in santiago de compostela habe ich schon von zuhause aus über airbnb gebucht. das ist zwar nicht pilger-like, aber so ein bisschen sicherheit wollte ich ja schließlich auch haben, wenn ich schon spät abends in einer fremden stadt lande und erst am nächsten morgen das abenteuer losgehen sollte. eine nacht habe ich in einer herberge übernachtet. das kostet je nach herberge etwa neun euro und man schläft in mehrbettzimmern oder sälen. das heißt im klartext, dass man auch mindestens einen "schnarcher" mit dabei hat, der einem die nacht zum alptraum machen kann. deswegen bin ich in den folgenden nächten auf (teurere) pensionen oder hotels umgestiegen. aber einmal herberge sollte man schon mitgemacht haben.

hattest du probleme mit den füßen? zunächst einmal habe ich immer probleme mit neuen schuhen und muss sie erstmal einlaufen. (egal ob chucks, pumps oder flipflops) demnach war ich natürlich im vorhinein schon bemüht, eine ideale lösung für mich zu finden und bin im internetz auf die wrightsocks gestoßen. da online bestellen echt nicht mein ding ist und ich auch bezüglich der größe unsicher war, stöberte ich auf der homepage und fand doch tatsächlich einen händler in der nähe (sport-shop schäfer in gießen/wieseck - nein, ich bekomme kein geld für die nennung des ladens! aber die jungs waren echt hilfsbereit und hatten sogar ein paar zum anprobieren, da kann das internetz beim besten willen nicht mithalten!) nach dreieinhalb tagen laufen, hatte ich irgendwie doch eine blase an den füßen, wofür es auch so eine besondere technik bei den pilgern gibt... (nadel und faden, wer mag kann es googlen)


hattest du nur deinen rucksack dabei? ja. und da war alles drin, was ich für die woche benötigte. natürlich hatte ich im vorhinein schon einen mittelgroßen anfall, weil nicht alle flüssigkeiten, die ich zwingend mitnehmen musste, in den beutel passten. aber ähnlich wie beim kofferraum-tetris auf dem ikea-parkplatz, habe ich dann doch eine möglichkeit gefunden. mit einem 20l rucksack hat man natürlich nicht den ganzen kleiderschrank dabei. kein makeup. keine drölf produkte für die haare. und keinen medizinschrank. trotzdem hatte ich einige medikamente eingepackt, die man für die sicherheit ja immer mal so braucht. (gegen stiche, durchfall und schmerzen. außerdem ein kleines erste-hilfe-set mit heftplaster, verband etc...) gebraucht habe ich das zum glück alles nicht.


hattest du keine angst? nein. zumindest nicht als ich dort war. man kann den jakobsweg ohne probleme als frau alleine laufen. trotzdem kam es mehrfach zu der situation, dass mir eine frau in meinem alter alleine entgegen kam und ich dachte "uh, die macht das ja alleine!? sehr mutig!" - dass ich auf andere genauso gewirkt habe, habe ich erst im zweiten oder dritten gedankengang begriffen. wirklich angst hatte ich in den tagen und schlaflosen nächten vor meiner reise. angst vor dem alleine sein. angst, dass ich nicht ausreichend vorbereitet war. dass ich keine unterkunft bekommen könnte oder mir die sprachliche barriere einen strich durch die rechnung macht. angst, dass ich an mir und meinem vorhaben scheitern könnte.

und wie hast du die fotos von dir gemacht? natürlich hatte ich mir vorher einen selfiestab gekauft, mit dem das eine oder andere foto gemacht wurde. für aufnahmen von weiter weg habe ich den selbstauslöser des handys verwendet... in zehn sekunden kann man echt weit laufen. :) und wie schon oben erwähnt - man ist nicht alleine und kann immer mal jemanden fragen, ob er oder sie ein foto machen kann.


hast du "zu dir" gefunden? ach, wie ich diese frage liebe. nicht. der jakobsweg macht aus einem verbrecher keinen heiligen. wer nicht in irgend einer weise im echten leben schon zu sich gefunden hat, wird auch nach oder während des pilgerns nicht zu sich finden. aber der jakobsweg gibt irgendwie jedem das, was er gerade braucht.


während ich fest davon überzeugt war, dass ich eine rechnung mit dem glück offen hatte, gab mit der camino etwas ganz anderes... hierzu beispielhaft eine geschichte:

meine erste airbnb unterkunft konnte ich nämlich nicht finden. es war elf uhr abends, dunkel und verregnet. eine stunde war ich schon durch santiago gelaufen. der akku des handys zeigte 3% an. ich ging in eine bar, erklärte auf englisch mein problem, zeigte die adresse. das junge mädel hinter der theke sprach nur spanisch (oder ich verstand nur spanisch) und rief einen der jungs zu uns, die gerade am billiardtisch zockten. er sprach auch kein englisch, wollte mich aber zu der adresse fahren. in deutschland wäre ich niemals in ein fremdes auto gestiegen. aber was sollte ich in dieser situation tun? genau... vertrauen! alex setzte mich vor dem haus ab und begleitete mich noch bis zur tür. am ende der woche war ich noch einmal in der bar, trank ein bier und bezahlte ein zweites für alex, der zwar an dem abend nicht dort war, für den ich aber eine nachricht hinterließ.

alex. paul. mary. susi. doro. fabian.
ich schenkte fremden menschen mein vertrauen.


und genauso gab mir dieses ganze abenteuer das vertrauen, dass ich alleine etwas schaffen kann.

ich werde wieder kommen.
buen camino.


Kommentare:

  1. Hallo Caro,

    ich finde es wirklich schön und bewundernswert. Wahrscheinlich bin ich jetzt die 1000ste Person aber ich würde es auch mal gerne machen. Ich stelle es mir klasse vor, alleine schon weil man nur auf sich zählen kann.
    Deine Geschichte klingt toll und macht mich ein bisschen neidisch :)

    Schön das du wieder da bist.

    LG

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    1. Das mit dem Neid höre ich nicht zum ersten mal. :) Danke für deinen Kommentar. 💜

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    2. Das mit dem Neid höre ich nicht zum ersten mal. :) Danke für deinen Kommentar. 💜

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  2. Wow! Ich spiele schon seit einer Weile
    mit dem Gedanken das Abenteuer Caminho auf mich zu nehmen... Aber irgendwie... grmpf fehlt mir immernoch der Mut.
    Danke für deinen Post, war spannendbzu lesen.
    Liebe Grüsse
    Michys

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    1. Nur Mut... das ist alles gar nicht so schlimm. Können auch gerne mal privat schreiben, wenn du Mut gefasst hast und in den Vorbereitungen steckst. :)

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    2. Nur Mut... das ist alles gar nicht so schlimm. Können auch gerne mal privat schreiben, wenn du Mut gefasst hast und in den Vorbereitungen steckst. :)

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  3. Sehr interessanter Bericht. Danke für´s teilhaben lassen.

    Liebe Grüsse Anett

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    1. Sehr gerne. Lieben Dank für deinen Kommentar. 💜

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    2. Sehr gerne. Lieben Dank für deinen Kommentar. 💜

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stell dir vor, mein blog wäre eine bühne... dann ist das hier das feld, wo du deinen applaus lassen kannst. :) lieben dank dafür!