tinder vs. tupper [vom löschen der dating-apps]


„würdest du dein lovoo löschen, wenn wir uns weiter treffen?“ – der klassiker unter den fragen bei einem date. eigentlich habe ich sie immer gehört. schon beim ersten treffen. da war das modell ja noch nicht einmal annähernd probe gefahren. zweimal wurden die apps vor meinen augen deinstalliert – wohlgemerkt beim ersten date! da sitzt man dann vor seinem leeren eisbecher (oder was auch immer man sonst gerade vernascht hat) und denkt sich: "herzlich willkommen... im falschen film!"


fassen wir also neun monate tinder, once und lovoo (eine app reicht ja nicht aus) in ein paar knappen worten zusammen: inmitten der ganzen singles fühlt man sich ein bisschen wie auf einem tupperabend. es werden viele bunte schüsseln herum gereicht, die man sich im besten fall von allen seiten anschauen kann. beim öffnen gibt die schüssel ein ploppendes geräusch von sich. es gibt runde und eckige modelle. manche sind tief, andere eher flach. oberflächen und oberflächlichkeit wird groß geschrieben, menschlichkeit klein. manchmal ist das modell in der realität nur ähnlich wie auf der abbildung. es gibt schüsseln, die sind nicht ganz dicht. andere wiederum haben einen doppelten boden, der natürlich nichts aushält.


für die sicherheit (und zur selbstbestätigung, ich gebe es ganz ehrlich zu!) hatte ich meinen account auch für die herren der schöpfung freigegeben. in der info stand dann zwar „girls only“, aber männer sind ja ähnlich wie kleinkinder und gucken sich immer nur die fotos an. frauen übrigens auch. :)

lovoo, tinder und once funktionieren mit der standort-funktion des smartphones. durch die beruflichen verpflichtungen und das damit verbundene reisen in die verschiedensten ecken des landes, kamen bei lovoo über 30.000 "likes" zustande. 30 tausend menschen, die mich gerne kennen lernen wollten, aus welchen gründen auch immer. vielleicht waren sie verzweifelt auf der suche, oder nur ähnlich gelangweilt wie ich.

wenn man jetzt bedenkt, dass eine tupperparty durchschnittlich zweieinhalb stunden dauert, man zwei sekt trinkt, vier schnittchen in sich schiebt und dabei zwanzig produkte vorgestellt bekommt… dann wären das bei 30 tausend schüsseln hochgerechnet 3000 sekt, 6000 schnittchen und 3750 stunden tupperparty! das heißt im klartext: 71 kisten sekt300 stangen weißbrot und 5,2 monate tupperparty. (durchgängig und ohne schlaf)


so viel hunger, durst und zeit hatte ich nicht. und vor allem wollte ich nicht die ganzen schüsseln, die man ja auf so einer tupperparty aus reinem anstand bestellt. die stehen bei mir nur im schrank, damit sie regelmäßig lautstark auf den küchenboden fallen können... mit dem vergleich zur tupperparty konnte dann sogar meine mama etwas anfangen. und ich konnte ganz beruhigt sagen: "tschüß! ihr runden, eckigen, flachen und undichten schüsseln!"

bleibt dicht. :)







im echten leben wurden die apps übrigens schon anfang des jahres gelöscht. auch diesen text habe ich damals geschrieben... die zeit dazwischen kann man durchaus als "raum zum interpretieren" ansehen. :)


Kommentare:

  1. Ich abe mich auf Tupperpartys immer gelangweilt, ging bloss aus Nettigkeit hin......
    Bei deinem Vergleich Geräte ich deswegen ins Nachdenken
    Herzlichst
    yase

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  2. Ich schmeiß mich weg, so klasse geschrieben

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stell dir vor, mein blog wäre eine bühne... dann ist das hier das feld, wo du deinen applaus lassen kannst. :) lieben dank dafür!