der zauber des caminos | tag 2 auf dem jakobsweg





was auf dem camino passiert, wenn man sein handy vergisst | begegnungen mit wundervollen menschen | neues lieblingsessen: pommes frites mit spiegelei | die stadt portomarin | die "kunst" auf dem weg

nach dem aufwachen hatten wir nur einen gedanken: weiter laufen! es war, als ob uns der weg zog. beim kaffeetrinken vor der herberge sahen wir schon pilger vorbei ziehen, obwohl es noch nicht mal hell war. "was wäre der camino ohne seine wundervollen ausblicke über die täler von galicien?", fragten wir uns. den grund für die nächtlichen wanderungen hatten wir aber schon im flugzeug von einem netten mann, der seine frau nach sechs wochen jakobsweg abholen wollte, erfahren: der camino ist voll! man sollte sich bis spätestens 14 uhr eine herberge gesucht haben, ansonsten muss man auf (teurere) pensionen oder hotels zurück greifen, um nicht unter freiem himmel schlafen zu müssen.


die ersten kilometer liefen sich wie nichts. die füße machten (noch) keine probleme, die sonne schien und in einem kleinen wald wurden wir zum ersten mal mit der "kunst" des caminos überrascht. die pilger hatten hier sachen hinterlassen, die sie nicht mehr brauchten: hüte, muscheln, wanderschuhe(!!!), fotos, tücher und kleine zettel mit wünschen machten diesen ort zu etwas besonderem.


etwa ein kilometer weiter (wir waren schon eine stunde unterwegs), fiel mir etwas auf... ich hatte mein handy in der herberge vergessen!! :( wir versuchten zunächst die telefonnummer der herberge im internet zu finden. aber wie hieß sie?? warum hatten wir keinen reiseführer mit, in dem das alles drin stand? noch nicht mal auf dem stempel, den wir uns bereits am abend in der herberge geholt hatten, konnte man den namen lesen... 

wenn man "normalen" urlaub macht, checkt man vor dem verlassen des hotelzimmers schnell, ob man alle notwendigen unterlagen, geld und sowas wie ein handy mit hat. auf dem camino ist das anders. es ist alles gleich wichtig! ob ich jetzt mein handy, den hirschtalg, meine zahnbürste oder das zweite paar socken vergessen hätte - alles wäre "gleich schlimm" gewesen! 

es nutzte alles nichts, wir mussten zurück laufen. viele pilger kamen uns entgegen. dabei wurde uns folgendes bewusst: es ist egal, wie du aussiehst, wie groß dein rucksack ist, wie schnell du läufst, welche haarfarbe oder nationalität du hast - jeder pilger wird gleich behandelt und akzeptiert.

aber eins darfst du nicht tun: in die falsche richtung pilgern!! :)

nach einer viertel stunde in die "falsche" richtung laufen, kamen uns zwei bekannte gesichter entgegen. sie schauten mehr erfreut als verwundert. die engländer vom vortag!! sie hatten einen reiseführer dabei, in dem die telefonnummer der herberge stand. wir riefen dort an und der herbergsvater teilte uns mit, dass er das handy via gepäckfahrservice mit in die nächste stadt schickt. der taxifahrer hatte es doch gesagt: "if you need anything, the other pilgrims will help you."

also ging es weiter nach portomarin...

die überreste des alten portomarin

...eine stadt, deren früherer ortskern wegen eines stausees überschwemmt wurde. einzig die kirche san nicolas wurde damals stein für stein abgetragen und am hügel neu erbaut. sie war war leider verschlossen. in einem hotel holten wir das handy ab und begaben uns weiter auf den steilen weg des caminos.

san nicolas

nach dem ortsausgang trafen wir auch die deutschen vom vortag wieder. sie hatten kein handy verloren und konnten stattdessen zwei stunden pause machen. ^^


pilger bringen steine mit auf den camino, um ihre sorgen abzuladen. auch auf den wegweisern sind ganz oft steine zu finden. mal kleine, mal große sorgen und steine...


da wir wegen dem verlorenen handy auch einige zeit verloren hatten, wurde erst sehr spät eine warme mahlzeit eingenommen. die spanier stehen total auf pommes frites mit spiegelei als beilage. ich fand es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, bin aber mittlerweile auch ein fan davon.


nach dem essen kamen wir mit einer pilgerin ins gespräch, die vor 5 wochen in genf losgelaufen war: liane. wow, die erste "richtige" pilgerin. ihre geschichte und ihre art zu reden lud uns zum bleiben ein. "habt ihr denn einen reisführer?", fragte sie uns. nein, hatten wir natürlich nicht. wir zeigten ganz stolz unsere einlaminierten landkarten. sie musste herzlich lachen. wir lachten mit. danach schenkte sie uns einen deutschen reiseführer, den sie in einem hotel gefunden hatte. hätten wir den mal heute morgen schon gehabt, da stand die nummer von der herberge nämlich drin...

der austausch unter pilgern beginnt meistens so: buen camino! wo kommst du her? seit wann bist du unterwegs? hast du schon probleme mit blasen an den füßen? zum letzteren thema empfahl uns liane einen jungen mann mit e-zigarette. er soll eine legende auf dem camino sein, weil seine füße sooo schlimm aussehen...


wir ließen liane zurück und machten uns weitere drei kilometer auf den weg.



unsere pension für diese nacht... abends wurde nochmal herzhaft über die situation mit dem handy gelacht und zuhause angerufen, um die geschichte zu erzählen. für die nächsten tage konnte ja, dank dem neuen reiseführer, nichts mehr schief gehen.


dieser beitrag ist nur eine tagesetappe von unserem bezaubernden abenteuer auf dem jakobsweg. alles zusammen ergibt eine geschichte, dessen zauber man nur versteht, wenn man alles liest... sonntags wird es immer einen neuen post zu diesem thema geben. wer mag, kann die bereits veröffentlichten beiträge hier nochmal lesen. wir wünschen euch viel spaß dabei. lasst euch inspirieren... :)

Kommentare:

  1. Vielen Dank, dass ihr uns auf diese Weise teilhaben lässt! Ich lese die Beiträge über eure Reise wirklich sehr gerne :)
    Lg,
    Josy

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  2. Teil 1 habe ich jetzt auch gelesen und ich bin begeistert. Deine Beschreibungen machen Lust aufs Pilgern und Lust auf mehr Lesestoff über Deine Erlebnisse!
    Einen schönen Sonntag für Dich, Cora

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  3. Immer nur Sonntags...warum quälst du uns so *g* Nee ich freu mich :) Du schreibst ganz toll und so kann man es richtig schön nach empfinden!!! Ich bin schon so gespannt auf jeden weiteren Beitrag!

    PS: Wunderschöne Bilder ♥

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    1. Es ist ja immer so viel zu Lesen und sonntags haben (denke ich) die meisten Leute genug Zeit dafür. Und alles zusammen in einem Beitrag wäre einfach zu lang. :)

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  4. Wirklich ein sehr interessanter Artikel, vielen lieben Dank hierfür. Ich bin schon auf Deinen bächsten Blogpost gespannt.

    Ich würde mich auch sehr über Besuch auf meinem Blog freuen ;-)

    http://danny-testet.blogspot.de/

    LG
    Danny

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  5. Was für tolle eindrücke. :) da hab ich gleich noch viel mehr Lust! Und wie super das mit dem Handy geklappt hat!!:)

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  6. Der Blick in die Täler ist wirklich traumhaft schön weit... =) Tag 2 war sehr unterhaltsam und Liane scheint gut gerüstet unterwegs zu sein. Bleibt zu hoffen dass diejenigen mit zurückgelassenen Wanderschuhen noch ein weiteres Paar im Gepäck hatten :))

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  7. wow wie aufregend..euer erlebtes ist genauso spannend wie ein gutes buch das man nicht mehr aus der hand legen kann weil man unbedingt wissen will wie es weiter geht... tolle bilder im übrigen.
    herzlichst AnnA

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the purple frog bedankt sich für deinen besuch, freut sich über einen kommentar und ein baldiges wiedersehen.